Evangelische Kirchen im Raum Oldenburg öffnen Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare, Bischof Adomeit entschuldigt sich für Diskriminierung

Lesben- und Schwulenverband begrüßt die Entscheidung der Synode

Hannover, 23. November 2018. Auf der 10. Tagung der 48. Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, im niedersächsischen Rastede, hat gestern die Mehrheit der Synodenmitglieder beschlossen, die Traugottesdienste auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Bisher war es Lesben und Schwulen verwehrt worden, in einem Traugottesdienst zu heiraten.

„Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Niedersachsen-Bremen ist glücklich, dass die Synode die Traugottesdienste für Lesben und Schwule geöffnet hat. Mit ihrer Entscheidung hat die Synode deutlich gemacht, dass die Ehen von gleichgeschlechtlichen Paaren den gleichen Respekt und die gleiche Anerkennung verdienen, wie die Ehen heterosexueller Paare. Dass Bischof Thomas Adomeit sich in seiner Erklärung öffentlich für das entstandene Leid und die Diskriminierung entschuldigt hat, war ein wichtiger Schritt hin zu einer offenen und vielfältigen Kirche.“, erklärt Benjamin Rottmann, Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Niedersachsen-Bremen.

Auch wenn die Evangelische Kirche (EKD) die Ehe lange Zeit ausschließlich als Verbindung von Mann und Frau definierte, wurde diese Sicht spätestens mit der Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ aufgegeben. Aus einer modern-protestantischen Perspektive wird heute nicht mehr nach der äußeren Form der Partnerschaft gefragt, sondern nach ihrem Inhalt und den in der Partnerschaft gelebten Werten.  

In den letzten Jahren haben die Landeskirchen im Rheinland, in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und in Baden gezeigt,  dass die Akzeptanz vielfältiger Lebensweisen in der Kirche möglich ist. Mit der Öffnung der Traugottesdienste haben diese Landeskirchen „JA“  gesagt,  zu einer vielfältigen, modernen und offenen Kirche. Die evangelisch-lutherischen Kirchen zwischen Friesland und dem Münsterland haben sich dieser fortschrittlichen Entwicklung nun angeschlossen.

 

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Vorstand LSVD Niedersachsen-Bremen
nds-bremen@lsvd.de

 

Hintergrund

Herbsttagung der oldenburgischen Synode in Rastede
https://www.kirche-oldenburg.de/kirche-gemeinden/synode/1048-synode.html

Lesben- und Schwulenverband (LSVD) ist Gründungsmitglied des Sportbündnisses

Hannover, 04. Juli 2018. Auf dem weltgrößten Schützenfest in Hannover wird sich das Sportbündnis „Farbenspiel“ gründen. Ziel des Bündnisses ist die Schaffung eines offenen Umfelds für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Sport. Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Niedersachsen-Bremen wird als eine der Gründungsorganisationen den Ehrenkodex zeichnen und das Sportbündnis mitbegründen. Der Festakt zur Unterzeichnung wird im Gaypeople Zelt auf dem Schützenfest stattfinden.

„Wir sind stolz als eine der Gründungsorganisationen den Ehrenkodex des Sportbündnisses unterzeichnen zu dürfen. Sport hat die Kraft, Menschen zusammenzubringen und Vielfalt erlebbar zu machen. Vereine und Verbände sollten den Rahmen dafür schaffen, dass diese Vielfalt Respekt und Akzeptanz erfährt.“ betont Imke Thierfelder aus dem Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Niedersachsen-Bremen.

Wann?           04. Juli 2018, um 17:30 Uhr

Wo?                Gaypeople-Zelt auf dem Schützenplatz, Bruchmeisterallee 1A in 30169 Hannover

Alle Organisationen, die dem Ehrenkodex beitreten, verpflichten sich, Diskriminierung und Ausgrenzung in ihren Strukturen entgegenzuwirken und bekennen sich zu einer offenen und vielfältigen demokratischen Gesellschaft.

Hintergrund:

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Imke Thierfelder
Landesvorstand LSVD Niedersachsen-Bremen
imke.thierfelder@lsvd.de

LSVD Niedersachsen-Bremen protestiert gegen das Vorhaben, die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsstaaten erklären zu wollen

Hannover, 12. Dezember 2017. Die neue Niedersächsische Landesregierung aus SPD und CDU will zukünftig im Bundesrat die Einstufung der Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsstaaten unterstützen, sofern die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen gegeben sind. Eine entsprechende Vereinbarung wurde in die Koalitionsvereinbarung für die 18. Wahlperiode des Niedersächsischen Landtages 2017 bis 2022 aufgenommen.

„Mit dem Vorhaben der neuen Landesregierung würden Menschenrechtsverletzungen in den Maghreb-Staaten verharmlost. In Algerien, Marokko und Tunesien sind Schwule, Lesben und transgeschlechtliche Menschen massiven Verfolgungen ausgesetzt. Menschen werden eingesperrt und misshandelt, nur weil sie gleichgeschlechtlich lieben.“, erklärt Benjamin Rottmann, Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Niedersachsen-Bremen.

Das Konzept der „sichere Herkunftsstaaten“ begegnet größten menschenrechtlichen Bedenken. Durch die damit verbundenen Schnellverfahren ohne Zugang zu fachkundiger Beratung und ausreichendem Rechtsschutz werden gerade Lesben, Schwule und transgeschlechtliche Menschen von einer fairen Prüfung ihrer Asylgründe ausgeschlossen.

„Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Bundesverfassungsgerichts bereits 1996 erklärt hatte, dass Staaten nur zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt werden können, wenn dort landesweit für alle Personen- und Bevölkerungsgruppen Sicherheit vor politischer Verfolgung besteht. Die Maghreb-Region erfüllt diese Voraussetzung nicht. Damit sind auch die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben“, betont der LSVD-Landesvorsitzende Rottmann.

Die Landesregierung würde sich mit ihrem Votum auch zum Handlanger von Regierungen machen, die die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und transgeschlechtlichen Menschen verleugnen und mit Füßen treten.Eine solche Politik schwächt den weltweiten Kampf zur Abschaffung der Kriminalisierung von Homosexualität empfindlich.

 

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LSVD Niedersachsen-Bremen
Benjamin Rottmann
Tel. 0511 – 277 896 20
benjamin.rottmann@lsvd.de

 

Hintergrund

Gemeinsam für ein modernes Niedersachsen – Für Innovation, Sicherheit und Zusammenhalt
Koalitionsvereinbarung 2017-2022
http://cdu-niedersachsen.de/wp-content/uploads/2017/11/11-16_Koalitionsvertrag_final.pdf

Flüchtlinge schützen – Integration fördern. Beschluss des LSVD-Verbandstages 2016
https://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Verbandstage/VT-2016/2016_Fluechtlinge_schuetzen.pdf

LSVD Niedersachsen-Bremen veröffentlicht Auswertung der Wahlprüfsteine

Im Vorfeld der kommenden Landtagswahl hat der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Niedersachsen-Bremen Wahlprüfsteine an die demokratischen Parteien im Bundesland verschickt. Zu insgesamt sechs Themengebieten hat der LSVD die Parteien gebeten, Farbe zu bekennen. Welche Parteien setzen sich für ein diskriminierungsfreies Lebensumfeld und ein respektvolles Miteinander ein? Für wen gehört die gleichberechtigte Behandlung und Thematisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI*) in Schule und Unterricht und wer möchte, dass LSBTI* auch im Alter offen und angstfrei leben können? Antworten auf diese und weitere Fragen geben die LSVD-Wahlprüfsteine.

„Der Lesben- und Schwulenverband ruft alle Menschen in Niedersachsen auf, bei den Landtagswahlen am 15. Oktober für Freiheit und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander zu stimmen. Wir müssen Rechtspopulisten deutlich machen, dass sie mit ihren volksverhetzenden Äußerungen und ihren diffamierenden Agitationen den Rahmen unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft verlassen haben“, so Benjamin Rottmann, Vorsitzender des LSVD Niedersachsen-Bremen.

Wie haben die Parteien geantwortet? 

Fast alle befragten Parteien haben auf die LSVD-Wahlprüfsteine geantwortet. Lediglich die AfD scheint mit dem Ausbleiben konkreter Antworten positiver dastehen zu wollen als ihr Wahlprogramm und ihre Grundhaltung in Bezug auf LSTBI* vermuten lassen.

Bei der Frage, ob die Parteien dafür sorgen wollen, dass im Rahmen der Kampagne „Für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt* in Niedersachsen“ Beratungs- und Unterstützungsangebote für LSBTI* eine langfristige und auskömmliche Finanzierung erhalten, positionieren sich SPD, Grüne, Linke und FDP klar für eine weitere Unterstützung. Die CDU schlingert mit einer vagen Aussage und gibt keine eindeutige Antwort.

Beim Thema der Berücksichtigung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt in Schule und Unterricht zeigt sich, dass SPD, Grüne, FDP und die Linken erkannt haben, dass Homo- und Transphobie nur nachhaltig bekämpft werden können, wenn es gelingt, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als selbstverständliches Unterrichtsthema altersangemessen zu integrieren. Ebenso stimmen sie zu, dass das Thema „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in die Aus- und Fortbildungen von Lehrenden und pädagogischen Fachpersonal gehört. Für die Stärkung von Regenbogenfamilien wollen sich Grüne, Linke und FDP stark machen und so für Familienvielfalt im Land werben. SPD und CDU positionieren sich hier nur recht allgemein und bleiben konkrete Antworten schuldig.

Beim Thema Erweiterung von Landesverfassung und Grundgesetz Artikel 3, Absatz 3 um das Merkmal „sexuelle Identität“ machen die Grünen, die Liberalen und auch die Linke deutlich, dass sie sich für eine entsprechende Änderung einsetzen wollen.

Wollen Sie noch mehr erfahren? Dann werfen Sie einen Blick in die Wahlprüfsteine des LSVD Niedersachsen-Bremen. Wählen Sie bei der Landtagswahl Parteien, die sich für ein offenes und vielfältiges Niedersachsen engagieren! Erteilen Sie denen eine Absage, die mit ihren homophoben, transphoben und menschenfeindlichen Äußerungen unsere Gesellschaft spalten wollen.

Hier geht es zu den Wahlprüfsteinen des LSVD Niedersachsen-Bremen und zu den Antworten der Parteien

Waren Sie selbst, ein Angehöriger oder ein Bekannter von Ihnen aufgrund des §175 verurteilt und im Gefängnis Wolfenbüttel inhaftiert?

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel sucht nach Zeitzeugen sowie nach Fotos, Gegenständen, Dokumenten und Aufzeichnungen von Inhaftierten der Strafanstalt Wolfenbüttel aus der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Bundesrepublik.

Die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel erinnert seit 1990 an die Opfer von NS-Justiz und an die im Strafgefängnis Wolfenbüttel Hingerichteten und Inhaftierten während des Nationalsozialismus.

Bis Herbst 2018 wird die Gedenkstätte um eine neue Dauerausstellung erweitert. Hier werden erstmals auch die Kontinuitäten der NS-Gesetze und der Verfolgtengruppen sowie personelle Kontinuitäten in Justiz und Strafvollzug in der Bundesrepublik thematisiert.

 

Die kontinuierliche Verfolgung aufgrund der Paragraphen 175 und 175a bis 1969 soll in unserer Ausstellung eine wichtige Rolle spielen.

Eine erste Sichtung der Gefangenenpersonalakten aus der JVA Wolfenbüttel ergab, dass in der Zeit der frühen Bundesrepublik mindestens 150 Männer aufgrund der sog. „Homosexuellen-Paragraphen“ inhaftiert waren.

 

Bitte helfen Sie durch Ihre Erinnerungen auf das Unrecht des §175 aufmerksam zu machen.

Uns ist es wichtig, mit der Ausstellung sowohl auf die strafrechtliche Verfolgung als auch auf die damit zusammenhängende gesellschaftliche Diskriminierung hinzuweisen. Daher sind wir ganz besonders an Kontakten zu Betroffenen und ihren persönlichen und individuellen Einzelschicksalen sowie ihren Familienangehörigen interessiert.

 

Jeder Hinweis ist willkommen!

Wir bitten Sie herzlich um Kontaktaufnahme. Ihren Wunsch ggf. anonym zu bleiben, respektieren wir. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen der Gedenkstätte stehen Ihnen für Nachfragen gern zur Verfügung, insbesondere Ina Stenger.

 

Neugestaltungsprojekt der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Rennelbergstraße 11
38114 Braunschweig
Tel.: +49 (0) 531 – 488-1604
Fax: +49 (0) 531 – 488 1607
Ina.Stenger@stiftung-ng.de
wolfenbuettel.stiftung-ng.de
blog.neugestalten-gwf.de

 

Im Namen meiner Kolleg_innen bedanke ich mich für Ihre Mithilfe!

Martina Staats,
Leiterin der Gedenkstätte


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